Star Wars Legion

Seit Donnerstag ist das neueste Spiel mit Star Wars Lizenz von Fantasy Flight Games erhältlich. Ich bin seit dem ersten Tag dabei und hab schon ein paar Probespielchen hinter mir. Zeit für einen ersten Eindruck.

Ganz kurz zusammengefasst ist es ein sehr simplifizierter Mashup aus Warhammer 40k und Star Wars Armada. Man baut sich eine Liste aus 800 Punkte, auswahlen werden durch ein Bootesystem aus Einheiten (1-2 Charaktere, 3-6 Standard, 0-3 Specials, 0-3 Unterstützung, 0-2 schwere Einheiten), welche jeweils in alter X-Wing Manier verschiedenste Upgrade-Slots haben.

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Gespielt wird auf einem 6×3 Fuß Feld, das mehr oder weniger nach Belieben mit Gelände vollgestopft werden kann. Jeder der zahlreichen Geländetypen hat einen Coverwert (0-2) und für alle drei Truppentypen (Trooper, Bodenfahrzeuge und Flugfahrzeuge) einen Wert, der die Bewegung beeinflusst (offen, schwer, unpassierbar).

Nach einem kurzen Vorgeplänkel, das Schlachtfeldbedingungen, Aufstellungszonen und Siegesbedingungen bestimmt, wird abwechselnd aufgestellt. Zu Beginn jedes der sechs Züge wählt man verdeckt eine Kommandokarte, die zusätzlich zu etwaigen Sondereffekten bestimmt, wer die erste Einheit aktiviert und wieviele Einheiten man bewusst triggern kann.

Nun kann es endlich beginnen. Abwechselnd aktiviert man je eine Einheit. Entweder eine der Einheiten, die zu Beginn der Runde einen Befehl erhalten haben oder eine zufällig ausgewählte übrige Einheit. Die Grundregel ist, je höher man darauf pokert, erster Spieler zu sein, desto weniger Einheiten kann man einen direkten Befehl geben. In Summe kommen aber immer alle dran.

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Eine aktivierte Einheit hat zwei Aktionen, die frei aus bewegen, ausweichen, zielen, angreifen, ausruhen und abwarten gewählt werden können, wobei man abgesehen von bewegen nichts mehrfach wählen kann.

Bewegt wird mittels Manövertools in drei unterschiedlichen Längen. Für Trooper ist das Werkzeug meist nicht so streng und die sehr einfache Bewegung heißt, den Anführer in Reichwete umstellen und die restlichen Figuren des Trupps rundherum platzieren. Fahrzeuge hingegen legen das Tool wie bei X-Wing vorne an und stellen sich dann ans Ende (oder irgendwo auf dem Weg dazwischen) wieder ab, mit nur einem Knick von max. 90° nach der halben Strecke.

Beim Schießen wird es nun endlich spannend. Jede Figur hat eine definierte Anzahl an achtseitigen Würfeln definierter Sorte (weiß, schwarz, rot) und wirft diese. Die Seiten zeigen verschiedene Anzahlen von Leerseiten und Treffern, so wie je einen kritischen Treffer und einen Surge (welcher je nach Einheit nicht/zu Treffern/zu kritischen Treffern umgewandelt werden darf). Nach etwaigen Modifikatoren (rerolls, Deckung, ausweichen, Rüstung …) bleibt eine Anzahl an Treffern übrig, wogegen jeweils ein sechsseitiger Verteidigungswürfel (weiß oder rot) geworfen werden darf und potentielle Verwundungen verhindert (Rüstungswurf). Diese zeigen Leerseiten, Blocks und je einen Surge (welche je nach Einheit zu einem Block umgewandelt werden kann). Wenn man es umrechet, käme es einem simplen D8/D6 System gleich, aber dann wäre es nicht FFG.

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Schaden wird klassisch durch Verluste oder akkumulierten Schaden (bei Figuren mit mehreren Hitpoints) gekennzeichnet. Trooper werden durch Beschuss außerdem niedergehalten und verlieren möglicherweise eine Aktion oder laufen gar Richtung Spielfeldrand (Moralwert), während Fahrzeuge bei zu viel HP-Verlusten permanenten Schaden davontragen.

Wer nach sechs Runden mehr Szenariopunkte hat gewinnt. Tiebreaker sind klassisch verursachte Verluste.

Soweit so gut, aber was halte ich nun von dem Spiel?

Komponenten:
Wie bei FFG üblich ist das Material sehr hochwertig. Die Figuren sind sehr gut verarbeitet und simpel zusammenzubauen (Trooper bestehen aus 2-4 Teilen, Fahrzeuge aus etwas mehr). Es ist (im Gegensatz zu X-Wing oder Armada) genug Material drinnen, um bereits vernünftige kleinere Schlachten zu spielen. Nur zwei Dinge sind hier anzumerken: Das Rules-Reference-Buch liegt nicht bei. Also sobald detailliertere Regelfragen aufkommen oder man anderes Gelände als die beiligenden Blockaden einsetzen möchte, muss man online nachlesen. Noch schlimmer ist aber die Tatsache, dass mit jeweils 3 Würfeln viel zu wenige beigelegt sind, um das Spiel sinnvoll zu spielen. Ein Standard-Trupp wirft 4 Würfel, Lichtschwerter werfen sogar 6 Würfel. Damit erhöht sich der Preis des Grundsets um 14€ für das obligatorische zweite Würfelset.

Spielmechanik:
Es setzt wie die anderen FFG Spiele auf simple Grundmechaniken, die sehr schnell erlernt aber vollkommen ausreichend sind, um komplexe und fordernde Spiele zu ermöglichen. Viele Dinge sind sehr einfach und intuitiv. Bei den erweiterten Regeln schleichen sich dann ein paar Mechaniken ein, die auf den ersten Blick etwas holpern. So wird zum Beispiel Bewegeung, Reichweite, Deckung rein vom Anführer des aktivierten Trupps gemessen. Wenn dann aber entschieden wird, wieviele Modelle schießen dürfen und welche Modelle getroffen werden können, muss dann doch wieder Sichtlichie von jedem Modell gemessen werden – True Line of Sight, da könnte ich einen eigenen Absatz darüber schreiben, warum ich kein Fan davon bin. Auch frage ich mich, ob eine volle Seite Regeltext umbedingt notwendig war, um zu regeln, wie Trooper vertikale Wände hochklettern können.

Fazit:
Ich mag es sehr, wenn Missionen und das aktive Wählen von Szenarien einen entscheidenden Einfluss auf das Spiel hat und ich bin mir sicher, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich für Legion zuverlässige Strategien/Armybuilds bewähren. Die ersten Spielchen haben auch gezeigt, dass es sehr spannend und durchaus taktisch herausfordernd ist. Es gewinnt nicht zwingend der mit der größeren Kanone. Wo ich noch etwas skeptisch bin ist die Würfelmechanik. Es werden eine relativ kleine Anzahl an Würfeln geworfen, die eine sehr hohe Varianz produzieren: Zum Beispiel sind kritische Treffer (1/8 Chance pro Würfel) besonders effektiv, weil diese nicht durch Deckung oder Panzerung verhindert werden können. Auch sind tatsächliche produzierte Verluste im Vorhinein schwer abzuschätzen. Wenn man zB. 5 Treffer auf Sturmtrooper durchbringt, haben sie mit einer 50% Verteidigungsrate noch immer eine gute Chance darauf, 4 zu blocken … oder nur einen. Das kann ein Spiel schnell in eine oder andere Richtung drehen.

Alles in Allem bin ich aber sehr begeistert von dem Spiel und freue mich darauf, in näherer Zukunft viele Spiele zu absolvieren. Hoffentlich etabliert sich eine solide Community in Wien!

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