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John Connolly – The Book of Lost Things

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David ist ein fantasievolller kleiner Junge, der sich gern in Büchern versinkt. Dies tut er umso mehr, als seine Mutter schwer erkrankt und letztlich stirbt. Einige Monate später heiratet sein Vater erneut und die Familie zieht in das stiefmütterliche Haus. Dies gefällt David gar nicht, insbesondere die Eifersucht auf den kleinen Bruder treibt ihn fast zum Wahnsinn.

In der Gartenmauer des neuen Zuhauses entdeckt David ein Loch. Als er eines Nachts durchklettert stürzte zeitgleich ein Bomber im Garten ab – wir befinden uns mitten im zweiten Weltkrieg. Nach ohrenbetäubendem Lärm findet sich David in einer Fabelwelt wieder, die viele Elemente seiner geliebten Bücher enthält. Er macht sich auf den Weg, den König zu finden, welcher ihn vor den permanent lauernden Gefahren retten und in Davids Welt zurückbringen kann.

The Book of Lost Things hat das ständige Thema des Verlustes und der Verlustangst und begleitet David auf seinem Weg als kleiner verängstigter Junge, der durch seine Abenteuer über sich hinauswächst und letztendlich den ersten großen Schritt zum Erwachsenwerden tätigt. Anders als erwartet, ist die Geschichte nicht für Kinder gedacht. Das Verlustthema ist sehr emotional mitreißend und Davids Abenteuer teilweise sehr blutrünstig und schwer zu verdauen. Ebenso werden Kinder einige abgeänderten Märchen nicht verstehen, wie zum Beispiel Rotkäppchen, das über den bösen Wolf herfällt und so die ersten Wolf-Mensch-Hybriden gebärt oder die sieben Zwerge, die einen sozialistischen Arbeiterkampf gegen das unterdrückende Schneewittchen führen.

Andererseits ist der Mittelteil – Davids Reise im Märchenland – zu kindisch märchenhaft, um die Geschichte als Erwachsenenbuch zu sehen. Somit zieht sich das Buch zwischenzeitlich etwas, was aber vom stark emotionalen Anfang, dem aktiongeladenen Ende und dem tränendrückenden Epilog mehr als wettgemacht wird. Als Buch zwischendurch, das angenehm zu lesen ist aber auch zum Nachdenken anregt, kann ich The Book of Lost Things sehr stark empfehlen.

George R.R. Martin – A Storm of Swords

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Weiter geht es in George R. R. Martin’s Song of Ice and Fire Epos. Mit Hilfe von Tywin Lannister konnte Kings Landing gehalten und Stannis Baratheon’s Angriff zurückgeschlagen werden. Doch die Situation spitzt sich zu und das Leben für die gefangene Sansa Stark aber auch für Tyrion Lannister entwickelt sich zur Hölle auf Erden.

Robb Stark’s Feldzug gerät ins Stocken, seine Heimat Winterfell ist niedergebrannt und er bringt die wichtige Allianz mit Walder Frey in Gefahr, als er statt dessen Tochter in jugendlichem Leichtsinn eine andere heiratet. Gleichzeitig versucht sich Arya Stark nach erfolgreicher Flucht in Richtung Norden und Jaime Lannister unter Aufsicht von Brienne of Tarth in den Süden durchzuschlagen.

Einen ganz anderen Kampf trägt John Snow aus. Er ist aus der Not heraus und auf Befehl seines Vorgesetzten als Spion zu den Wildlingen übergelaufen. Obwohl er einen Schwur der Enthaltsamkeit geschworen hat, verliebt er sich in Ygritte und versteht seine eigenen Gefühle nicht mehr.

Unberührt aller westlichen Geschehnisse strebt Daenarys Tagaryan ihrem Ziel der Rückeroberung ihres Königreiches entgegen. Neben wachsenden Drachen hilft ihr eine Armee aus auf Kampfmaschinen trainierte Eunuchen.

Mit jedem Buch werden die Absätze, die zur Beschreibung der Geschehnisse notwendig sind mehr. George R.R. Martin schaffte es, der Geschichte mit jedem neuen Erzählcharakter mehr Tiefe zu verleihen und den bis dahin noch als bösartige Bedrohung gesehenen Personen und Völkern plötzlich Leben und Mitgefühl einzuhauchen. Ich kann es kaum erwarten weiterzulesen und hoffe, dass Band 6 fertiggestellt ist, wenn ich mit den bisher veröffentlichen Büchern durch bin. Die Chancen stehen diesbezüglich leider schlecht.

George R.R. Martin – A Clash of Kings

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A Clash of Kings setzt nahtlos an die Geschehnisse in A Game of Thrones an. Im Osten versucht Daenarys Tagaryan verzweifelt ein Heer aufzustellen, um ihren rechmäßigen Thron zurückzuerobern. Im Norden zieht Jon Snow mit der Nachtwache Richtung Norden jenseits der Mauer, wo Wildlinge ein Heer zusammentrommeln, um in Westeros einzufallen.

In Westeros selbst entfacht nach König Roberts Tod ein brutaler Thronkrieg. Der junge Rob Stark etabliert sich als König im Norden und strebt danach, Thronfolger Joffrey Baratheon zu besiegen und seinen Vater zu rächen. Gleichzeitig stellen Roberts Brüder Stanis und Renly ihren eigenen Anspruch auf den Thron und schrecken auch nicht davor zurück, sich selbst zu bekämpfen.

George R.R. Martin schafft es, den Epos weiterzuspinnen. In keiner Weise liest sich A Clash of Kings wie eine Fortsetzung, sondern wie ein weiteres Kapitel einer größeren Geschichte. Geschickt spalten und treffen sich die Wege der Erzählcharaktere wodurch die Story vorangetrieben aber nie der Fokus auf die Personen verlassen wird. Wahrlich eine Perle in der Fantasy-Literatur.

George R.R. Martin – A Game of Thrones

Wir befinden uns Westeros, einem mittelalterlichen Fantasy-Setting. Das gewohnte Leben am Hof von Ned Stark wird durcheinandergeworfen, als der König Robert Baratheon, Neds alter Freund und Kriegsbruder, erscheint und ihn bittet, das zweitwichtigste Amt des Reiches zu bekleiden und des Königs Hand zu werden.

Schnell wird klar, dass die Aufgabe mit großen Gefahren verbunden ist und Westeros vieles, nur keine Heile Welt ist. Neds Vorgänger ist auf mysteriöse Weise verstorben und als Neds achtjähriger Sohn die Königin beim Ehebruch und Inzucht mit ihrem Bruder beobachtet, wird er von diesem kurzerhand aus dem Fenster gestoßen und in ein Koma versetzt.

Gleichzeitig trachtet Viserys Targaryen, der Sohn des letzten Königs, nach Rache und Rückehr aus dem Exil, um sein Haus gemeinsam mit seiner Schwester Daenerys wieder auf den Thron zu setzen.

Das Buch (bzw. die Buchreihe A Song of Ice and Fire) erschafft eine äußerst Glaubwürdige Welt aus Machtkampf und Intrige. Die üblichen Dogmen, dass die HaupprotagonistInnen überleben und das Gute gewinnt sind außer Kraft gesetzt und man weiß nie, was als nächstes passiert und ob der Lieblingscharakter es ins nächste Buch schafft.

Georg R.R. Martin bedient sich bei der Erzählweise einer genialen Methode. Es gibt keine Erzählstimme, die die Geschichte beschreibt, sondern jedes Kapitel wird aus Sicht eines Charakters geschildert. Das gibt genau diesen Personen eine extreme Charaktertiefe und lässt überdies die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, da alle ihre persönlichen Motive darstellen können.

Es lässt sich leider nicht leugnen, dass Westeros eine Männerwelt ist. Sie bekleiden die wichtigen Ämter, Regieren die Reiche, führen die Kriege. Mit Catelyn, Neds Frau, die in seiner Abwesenheit die Stricke im Norden zieht, Arya, Neds neunjährige Tochter, die lieber ein Junge wäre, fechten und sich behaupten lernt und Daenerys, die später den kompletten Osten aufwirbelt stehen den Männern sehr starke weibliche Erzählcharaktere gegenüber. Überdies bekommen Krüppel, Bastarde und Huren einflussreiche Positionen und verleihen der Geschichte noch mehr Tiefe.

Die Bücher aus der A Song of Ice and Fire sind längst Plichtlesestoff für alle Highfantasy Fans. Mit mittlerweile 5 Büchern zu je ca. 1000 Seiten ist jede Menge Matierial vorhanden. Wem die Zeit/Lust fehlt, sich da durchzukämpfen, kann auf die TV-Serie zurückgreifen, die mittlerweile 2 Staffeln (=2 Bücher) umfasst. Die extrem aufwändige HBO Serie wartet mit technisch perfekter Umsetzung und erstklassiger SchauspielerInnen auf. Sie hält sich (zumindest in der ersten Staffel) extrem nahe an die Vorlage und ist demnach auch eingefleischten Fans des Buches zu empfehlen.

Dr. Horrible – Der Comic

Der Comic zur preisgekrönten Webserie „Dr. Horribles sing-along blog“ (wer’s nicht kennt, unbedingt anschauen! http://www.youtube.com/watch?v=esiIFLI3ryI) behandelt hauptsächlich die Vorgeschichten der verschiedenen Charaktere. Neben Kurzgeschichten, die Dr. Horribles verzweifelten Kampf gegen Captain Hammer zeigen wird auch Moists immerwährende Feuchtigkeit erklärt und man sieht die Evil League of Evil in Aktion. Der Comic ist ein netter Zwischenakt, der das Warten auf die zweite Staffel des Sing-along Blogs zumindest etwas verkürzt.

Dead and Gone & Dead in the Family

Charlaine Harris – Dead and Gone
Man könnte meinen, die Offenbarung, dass es neben VampirInnen auch Werewölfe und andere FormwandlerInnen gibt wäre keine große Überraschung. Falsch gedacht. Im ganzen Land verzeichnet man Verbrechen an den „neuen“ Übernatürlichen, so wird auch Jasons Werepanther-Frau gekreuzigt im Hof von Merlotte’s gefunden. Nebenbei trickst Eric Sookie in eine Vampirehe, um sie vor dem neuen Machthaber in der Umgebung zu schützen und Sookies Großvater ist in einen Blutigen Feenkrieg verwickelt. Ja es passiert viel in der Welt von Sookie Stackhouse …

Charlaine Harris – Dead in the Family
In aller Familien geht es drunter und drüber. Bill erholt sich nur müßig von seinen Verletzungen aus dem Feenkrieg, weigert sich aber bei der einzigen Frau, die ihm helfen kann zu melden – seiner Schwester. Sookies Feencousin Claude nistet sich bei ihr ein, weil seine Drillingsschwestern tot sind und (fast) alle anderen Feen sich aus der Welt zurückgezogen haben. Darüber hinaus tauchen Erics Schöpfer Appius Livius Ocella und dessen neuer Sprössling, der traumatisierte (und geisteskranke) Alexei Romanov auf, um die Welt auf den Kopf zu stellen.

Dead and Gone schafft es hervorragend, die typischen Elemente der Sookie Stackhouse Reihe umzusetzen. Viele ineinander übergehende Handlungsstränge, die Spannung aufbauen und bis zuletzt Überraschungen bringen. Gegen Ende spitzt sich die Lage immer mehr zu, bis sie in einem brutalen und für alle Beteiligten brenzligen Krieg ihren Höhepunkt feiert. Im Gegenzug dazu ist die Enttäuschung über Dead in the Family groß. Es fehlt der rote Faden durch das Buch. Vielleicht mag es manchen gefallen, mehr über die „Familien“ und Hintergründe der einzelnen Charaktere zu erfahren, mir persönlich ging dies aber zu sehr auf Kosten einer spannenden Handlung. Demnach werde ich wohl die nächsten zwei Teile vorerst ruhen lassen, und mich mal wieder auf andere Bücher stürzen.

The Guild

Wer „The Guild“ mag, wird auch den Comic auch vom dazugehörigen Comic begeistert sein (wer die Webserie nicht kennt, geht schnell auf http://theguild.geekandsundry.com/ und holt das nach). Der Comic erzählt die Geschichte, wie Cyd zu „The Game“ fand und ihre Gilde sich zusammenraufte. Nebenbei (oder deswegen) gibt sie ihrem Freund den Laufpass (definitiv nicht früh genug!) und geht ihrer Psychiaterin auf die Nerven.

Die Charaktere sind wunderbar umgesetzt und der Comic ist eine tolle Ergänzung zu den (viel zu wenigen) Web-Folgen.