George R.R. Martin – A Game of Thrones

Wir befinden uns Westeros, einem mittelalterlichen Fantasy-Setting. Das gewohnte Leben am Hof von Ned Stark wird durcheinandergeworfen, als der König Robert Baratheon, Neds alter Freund und Kriegsbruder, erscheint und ihn bittet, das zweitwichtigste Amt des Reiches zu bekleiden und des Königs Hand zu werden.

Schnell wird klar, dass die Aufgabe mit großen Gefahren verbunden ist und Westeros vieles, nur keine Heile Welt ist. Neds Vorgänger ist auf mysteriöse Weise verstorben und als Neds achtjähriger Sohn die Königin beim Ehebruch und Inzucht mit ihrem Bruder beobachtet, wird er von diesem kurzerhand aus dem Fenster gestoßen und in ein Koma versetzt.

Gleichzeitig trachtet Viserys Targaryen, der Sohn des letzten Königs, nach Rache und Rückehr aus dem Exil, um sein Haus gemeinsam mit seiner Schwester Daenerys wieder auf den Thron zu setzen.

Das Buch (bzw. die Buchreihe A Song of Ice and Fire) erschafft eine äußerst Glaubwürdige Welt aus Machtkampf und Intrige. Die üblichen Dogmen, dass die HaupprotagonistInnen überleben und das Gute gewinnt sind außer Kraft gesetzt und man weiß nie, was als nächstes passiert und ob der Lieblingscharakter es ins nächste Buch schafft.

Georg R.R. Martin bedient sich bei der Erzählweise einer genialen Methode. Es gibt keine Erzählstimme, die die Geschichte beschreibt, sondern jedes Kapitel wird aus Sicht eines Charakters geschildert. Das gibt genau diesen Personen eine extreme Charaktertiefe und lässt überdies die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, da alle ihre persönlichen Motive darstellen können.

Es lässt sich leider nicht leugnen, dass Westeros eine Männerwelt ist. Sie bekleiden die wichtigen Ämter, Regieren die Reiche, führen die Kriege. Mit Catelyn, Neds Frau, die in seiner Abwesenheit die Stricke im Norden zieht, Arya, Neds neunjährige Tochter, die lieber ein Junge wäre, fechten und sich behaupten lernt und Daenerys, die später den kompletten Osten aufwirbelt stehen den Männern sehr starke weibliche Erzählcharaktere gegenüber. Überdies bekommen Krüppel, Bastarde und Huren einflussreiche Positionen und verleihen der Geschichte noch mehr Tiefe.

Die Bücher aus der A Song of Ice and Fire sind längst Plichtlesestoff für alle Highfantasy Fans. Mit mittlerweile 5 Büchern zu je ca. 1000 Seiten ist jede Menge Matierial vorhanden. Wem die Zeit/Lust fehlt, sich da durchzukämpfen, kann auf die TV-Serie zurückgreifen, die mittlerweile 2 Staffeln (=2 Bücher) umfasst. Die extrem aufwändige HBO Serie wartet mit technisch perfekter Umsetzung und erstklassiger SchauspielerInnen auf. Sie hält sich (zumindest in der ersten Staffel) extrem nahe an die Vorlage und ist demnach auch eingefleischten Fans des Buches zu empfehlen.

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2 Antworten zu “George R.R. Martin – A Game of Thrones

  1. Definierst du „Männerwelt“ über die weiblichen Charaktere, die auch eine Sprechrolle erhalten? Ansonsten ist Westeros für eine Fantasywelt doch ziemlich stark weiblich besetzt: die Schwester von Catelyn, die über den Eyre herrscht, Sansa Stark, die auch eine Sprechrolle erhält, Cersei Lannister, die de facto für Joffrey Baratheon regiert, Melisandre von Assai, die Stannis Baratheon kontrolliert (und als einzige neben dem Magier mit dem Flammenschwert in den ersten drei Büchern zaubern kann)… einigen Männern hätte ich auch Sprechrollen vergönnt, wie Robert Baratheon, Bronn oder Jorah Mormont von der Bäreninsel. Aber wahrscheinlich eine Frage des Geschmacks 😉

    Die Glaubwürdigkeit der Welt (mal abgesehen von den Jahreszeiten) ist ein schöner Pluspunkt, der Geld/Lesespaßfaktor ist, wie du schon geschrieben hast, angenehm hoch.

    Lediglich ein Versprechen der Buchserie hat sich bislang kaum bewahrheitet: Martin ist doch eigentlich recht sparsam mit dem Tod von Protagonisten. Es kommen zwar einige Hauptfiguren um, aber weitaus weniger, als man in diesem eher realistischen Setting vermuten würde.

    Und man merkt bei Martin schon durch, wer seine Lieblinge sind. Das ist nicht weiter schlimm, aber mit der Zeit bekommt man schon mit, wer auf alle Fälle die coolsten Sprüche sagen darf. Dafür freut man sich auch, wenn man umblättert und sieht, dass es mit diesemund jenem Charkater weitergeht.

    So, ich hol mir jetzt meinen Brustplattendehner.

    • Allein wenn man die Männer- und Frauencharaktere mit Relevanz für die Handlung zählt, ist ein starker Unterschied. Dass es eine Männerwelt ist, lässt sich am leichtesten am Machtgefälle aufmachen. Erbfolgen sind prinzipiell männlich (mit Ausnahme eines einzigen Hauses) und Frauen kommen nur in ganz wenigen Ausnahmen zum regieren (und da meist nur stellvertretend). Es mag sein, dass für übliches Fantasy viele (auch sehr coole) Frauenrollen involviert sind, diese entsprechen aber durch die Bank „weltlichen“ Clichés. Charaktere, die diesen Clichés entspringen wollen, werden von der Umwelt als Freaks verachtet oder als Männer wahrgenommen.

      Den Absatz hab ich übrigens reingenommen, um zu zeigen, dass das Buch trotz Patriarchat und Männerdominanz auch wirklich coole Frauenrollen hat. Im „abgefuckten“ Westeros wird neben Korruption, Krüppel/Bastard-Feindlichkeit auch regelmäßig Frauenfeindlichkeit und dessen Ungerechtigkeit thematisiert. Das find ich wirklich gut!

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