Abschied vom WKR-Ball?

Gestern Abend fand die alljährige Hauptversammlung des rechtsextremen Gedankenguts statt – der Ball des Wiener Korporationsrings (kurz WKR-Ball) in der Wiener Hofburg. Es war wie immer ein Schauspiel der Deutschtümelei und eine Zusammenkunft der ganz rechten „Würden“-Träger aus ganz Europa und doch gab es einen deutlichen Unterschied zu den letzten Jahren: Die mediale Verharmlosung des Balls und die Kriminalisierung der Proteste dagegen nahm eine kritische Wende.

Die Casinos Austria brachten im November bei der Gesellschafterversammlung der HofburgsbetreiberInnen den Antrag ein, den Vertrag für den WKR-Ball nicht zu verlängern und setzten sich damit durch. Ein breites Netzwerk bestehend aus Pateien, Glaubensgemeinschaften, NGOs und natürlich der ÖH organisierte Protestaktionen und stellte sicher, dass die Gegendemonstrationen nicht wie üblich untersagt wurden und sogar am Heldenplatz stattfinden konnten, also gleich nebem der Hofburg. Der Ball rückte in den Medialen Mittelpunkt und die vielen Geschehnisse im Umfeld garantierten ständig neues Futter für die Berichterstattung:

Der Balltermin fällt genau auf den Holocaust Gedenktag, die UNESCO streicht die Wiener Bälle wegen als Kulturerbe, der Verteidigungsminister untersagt das Tragen von Militäruniformen am Ball, Anonimous hackt die WKR-Seite, der Verfassungsschutz ortet Krawalle und natürlich tobt bei jedem Artikel die FPÖ ([1],[2],…).

Im Endeffekt war der Abend wie immer: Der Ball fand statt und die Besucher mockierten sich über die bösen Linksextremisten, während den DemonstrantInnen auf der Straße ein Aufgebot der Polizei gegenüberstand. Es kam zu kleineren Zwischenfällen mit ein paar Verletzungen und einigen Festnahmen, die „heißeste Nacht des Jahres“ blieb aber aus.

Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass dies der letzte WKR-Ball gewesen ist, aber es ist dennoch ein sehr gutes Gefühl, dass mit dem Vertreiben des Balls aus der Hofburg und der öffentlichen Thematisierung der rechten Extreme die FPÖ und Konsorten zumindest ein kleines Stück Land im Zentrum der Gesellschaft verloren haben.

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